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Lymphödem

Das Lymphödem ist eine auffällige, auch tastbare Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum im Lymphdrainagesystem als Folge einer Schädigung, den Lymphkapillaren.

Das Lymphödem kann angeboren (nicht angelegte Lymphkapillaren oder Lymphknoten) oder sekundär entstanden sein, z.B. nach Operationen mit Entnahme von Lymphknoten oder einer Lymphstammdurchtrennung, sowie nach Bestrahlung bösartiger Tumoren. Unbehandelt ist das Lymphödem meist fortschreitend und chronisch.

Stadieneinteilung des Lymphödems

Stadium O   
Unterschwelliges Ödem ohne Symptome

Stadium 1   
Ödem mit wenigen, kleinen, teigigen Gewebeveränderungen („Dellen“), kann durch Beinhochlagerung rückgängig gemacht werden.

Stadium 2   
Zunehmende Gewebeveränderung mit Verhärtung von Fett- und Bindegewebe, kann spontan nicht rückgängig gemacht werden.

Stadium 3   
Harte, unförmige   Schwellung mit Bewegungseinschränkung der Gelenke („Elephantiasis“). Neigung zu Bläschenbildung, Hautentzündung (Ekzem) und schlecht heilenden Wunden.

Diagnostik eines Lymphödems

«Sichtbar» ist das sogenannte stemmersche Zeichen: Die Hautfalte über der 2. und 3. Zehe ist verdickt und lässt sich nicht abheben.

Mit Ultraschall mittels hochauflösender Duplexsonographie können die Lymphansammlungen und Gewebeveränderungen in Haut-, Fett- und Bindegewebe dargestellt, und auch eine Abgrenzung zu Stauungen durch venöse Erkrankungen vorgenommen werden. Eine Röntgendarstellung  (Isotopen-Lymphographie) bleibt speziellen Fällen, z. b. zur Planung einer Lymphgefäss–Transplantation  vorbehalten.

Zusätzlich müssen Begleiterkrankungen, die das Lymphödem verschlimmern, ausgeschlossen oder behandelt werden (z.B. Tumore, Erkrankung von Venen und Arterien, Herzschwäche, Störungen des Immunsystems und der Hormondrüsen sowie Erkrankungen von Gelenken und Rheuma).

Therapien und Behandlungen des Lymphödems

Die Behandlung des Lymphödems ist vielschichtig, aufwändig und sollte von einer Fachperson geplant und durchgeführt werden.

Angestrebt werden Verbesserung des Lymphabflusses, der Gelenkbeweglichkeit, Verminderung der Bindegewebevermehrung und der Verhärtung.

Wichtig ist am Anfang der Therapie ein ausführliches Gespräch zwischen Patient und Arzt, um die angestrebten Ziele der Behandlung zu besprechen. Denn besonders wichtig ist hierbei auch Ihre aktive Mitarbeit  rund um Hautpflege, Anlernen bestimmter Lymphdrainagegriffe und das Anziehen der Kompressionsstrümpfe.

Basistherapie des Lymphödem:  Komplexe physikalische Entstauung  (KPE)

Die Grundlage der Therapie liegt in der manuellen Lymphdrainage, einer Kompressionstherapie mit Wechselbandagen und medizinischen Kompressionsstrümpfen, entstauenden Bewegungsübungen und der Hautpflege. In der ersten Phase der Therapie wird die Mobilisierung der Ödemflüssigkeit  und – falls schon vorhanden – die Rückbildung der Bindegewebevermehrung angestrebt. In der zweiten Phase  soll der Therapieerfolg optimiert und konserviert werden.

Manuelle Lymphdrainage  (ML)

Die manuelle Lymphdrainage besteht aus 4 Grundgriffen, mit denen die Haut und das Unterhautgewebe, und damit auch die Lymphgefässwand,  gedehnt werden, wodurch es zur Anregung der Lymphbildung und des Lymphfluss kommt.

Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie wird mit speziell komprimierenden Kurzzugbinden durchgeführt und nach der Ödemreduktion durch angemessene Kompressionsstrümpfe („Flachstrick mit Naht“)  ersetzt.

Entstauende Bewegungs – und  Atemtherapie

Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten: Atemtherapie nach Middendorf,  Nordic-Walking,  Velo fahren, Hometrainer, Schwimmen, physiotherapeutisch geleitetes Krafttraining und Langlauf.

Weitere konservative Therapien

Es gibt eine Reihe weiterer konservativer Therapiemöglichkeiten:
Physiotherapie (Bewegungstherapie im Wasser, Manualtherapie, Gangschule), apparative intermittierende Kompression, Thermotherapie (Kompression mit Wärmeapplikation) und – in  speziellen Fällen – medikamentöse  Ergänzung bei Komplikationen des Lymphödem durch Befall mit  Pilzen oder Bakterien.

Chirurgische Verfahren

Erst nach mindestens 6 Monaten konservativer Therapie kann bei ausbleibendem Erfolg über operative Eingriffe nachgedacht werden. Diese stehen in Form von Rekonstruktion der Lymphbahnen, Umleitungen, und Gewebeentfernung ( „Liposuktion“) zur Verfügung.

Psychosoziale Aspekte bei Lymphödem

Betroffene Patienten fühlen sich oft von behandelnden Ärzten  nicht ernst genommen sowie uninformiert, und  ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld aus Scham über ihr unvollkommenes Erscheinungsbild und das Tragen spezieller Kleidung  zurück. Eine wirksame Therapie des Lymphödem kann nur unter Zusammenarbeit von Patient und Therapeut, unter Einbeziehen des sozialen Umfelds in Familie und am Arbeitsplatz erreicht werden. – Der Gang zum Facharzt kann die Situation aber in jedem Fall spür- und sichtbar erleichtern.