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Proktologie – Leiden über die man kaum spricht.

Die Proktologie befasst sich mit den Erkrankungen des Enddarmes und im dermatologischen Sinne insbesondere mit der Haut um den After.

Proktologie – Enddarmkunde

Der Anus ist anatomisch ein wichtiges Grenzorgan zwischen unserer äusseren Haut und unserem Darm. Da die Region des Afters und des Anus ähnlich viele Nervenenden enthält wie unsere Zunge, können schon leichteste Beschwerden das persönliche Befinden mit Juckreiz oder Schmerzen erheblich einschränken und gegebenenfalls auf andere innere Erkrankungen hinweisen. Die Analregion ist allerdings ein Bereich, der bei sehr vielen Menschen mit starken Schamgefühlen und unbestimmten Ängsten verbunden ist und Patienten daher hindert, frühzeitig zum Arzt zu gehen und die Leiden anzusprechen. Häufig resultieren diese Schamgefühle in einer falschen und gesteigerten Analhygiene, welche zusätzlich zu einer Verschlechterung führt und in einen Teufelskreis mündet. Meist sind die diagnostischen Massnahmen allerdings weit weniger schlimm als befürchtet, und mit kleinen therapeutischen Eingriffen können viele der quälenden Symptome schnell und nachhaltig verbessert oder beseitigt werden.

Symptome und Ursachen

Die Symptome einer Enddarm-Erkrankung können analer Juckreiz, Brennen und Schmerzen, ein Fremdkörpergefühl oder unterschiedlich starke Blutungen sein. Des Weiteren können Veränderungen im Sinne von tastbaren Knoten oder Lappen auftreten. Diese Symptome und Veränderungen können einzeln oder kombiniert auftreten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und können von falscher Hygiene im Intimbereich mit reizenden Substanzen oder Toilettenpapier, über Hämorrhoidalleiden oder infektiöse Erkrankungen bis hin zu Tumorerkrankungen wie Enddarmkrebs reichen. Daher sollten länger anhaltende Beschwerden differentialdiagnostisch bei einem Spezialisten für Proktologie abgeklärt werden.

Diagnosen und Behandlungen

Schon die Schilderung der Beschwerden gibt oft Hinweise auf die Ursache des entsprechenden Leidens. Im Anschluss an das Gespräch mit dem Arzt erfolgen eine Inspektion der Analregion sowie eine Tastuntersuchung von Anus und Enddarm. Eine definitive Diagnose erfolgt jedoch durch eine Spiegelung von Analkanal bzw. Enddarm. Mithilfe der Enddarmspiegelung kann auch der Grad der Hämorrhoiden bzw. deren Differentialdiagnosen genauer bestimmt werden. Dies sind die häufigsten Enddarmerkrankungen, die abgeklärt werden sollten:

Analekzeme

Bei etwa 35 Prozent aller proktologischen Patienten besteht ein Analekzem, d.h. sie haben Juckreiz am After. Damit sind Analekzeme die häufigste Erkrankung im Alltag eines proktologisch tätigen Mediziners. Juckreiz ist definitionsgemäss eine Missempfindung an der Haut, die das Verlangen auslöst, sich zu kratzen bzw. zum Kratzen zwingt. Wie unangenehm ist dies, wenn es betroffene Menschen in der Öffentlichkeit oder bei der Arbeit am After juckt? Ein linderndes Kratzen ist aus gesellschaftlichen Gründen dann meist nicht möglich, und das Leiden wird unerträglich. Auf Grund des Juckreizes und seiner Ursachen ist die Proktologie neben den chirurgischen und gastroenterologischen Fachdisziplinen daher insbesondere auch Teil der Dermatologie. Ursachen für Analekzeme können unter anderem Neurodermitis, falsche Analhygiene, Kontaktallergien und Hämorrhoidalleiden sein.

 

Neurodermitis

In 35 Prozent der Fälle ist das Analekzem durch eine Neurodermitis (atopischem Ekzem) verursacht. Die genitale und anale Region sind eine häufige, oftmals aber wenig beachtete Lokalisation für atopische Ekzeme. Diese Veranlagung bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, dass betroffene Patienten eine genetische Neigung zu Ekzemen aufweisen. Daher können bereits minimal vergrösserte Hämorrhoiden sehr leicht bei Neurodermitikern Ekzeme verursachen, welche bei anderen Personen noch überhaupt kein Problem darstellen würden. Durch den aufrechten Gang des Menschen kann auch schon alleine die Feuchtraumsituation in unserer Pofalte durch Schweiss und Reibung ein Ekzem in dieser Region auslösen. Des Weiteren können Ekzemschübe bei Neurodermitikern durch Stress, falsche Pflege oder Allergien auftreten. Typisch für atopische Ekzeme ist, dass ein subjektiv extrem quälender Juckreiz zu Schlafstörungen führt, während objektiv ein kaum wahrnehmbarer Befund ersichtlich ist und häufig übersehen wird. Daher sollte in Fällen mit starkem Juckreiz ohne ersichtlichen Grund eine Abklärung in Richtung Neurodermitis erfolgen. Über die richtige Pflege und Behandlungen von atopischen Ekzemen beraten wir Sie gerne in einem persönlichen Gespräch.

Kontaktallergien

Kontaktallergien können gegenüber verschiedenen Substanzen aus unserem Alltag auftreten. Im Analbereich sind sie häufig ausgelöst durch vorausgegangene «Hämorrhoiden-Behandlungen» mit Cremes, Salben und Zäpfchen, auf deren Grundlagen, Inhaltsstoffe oder Konservierungsstoffe Patienten mit der Zeit eine Allergie entwickelt haben. Oft sind diese allerdings nicht bekannt, und im Versuch einer erneuten Linderung mit diesen Produkten kommt es dann erst recht zu einer Verschlechterung der Beschwerden. Möglich sind auch Sensibilisierungen gegenüber Duft- und Konservierungsstoffen in feuchtem oder trockenem Toilettenpapier, Intimsprays oder Intimreinigungsprodukten sowie gegenüber Latex in Kondomen oder verwendete Gleitmittel. Bei solchen Fragestellungen kann nur eine allergologische Diagnostik und teilweise Detektivarbeit den Auslöser aufdecken, welcher, sofern er gefunden wird, für die Zukunft gemieden werden muss, damit diese Art von Ekzem abheilen kann. Eine kurzfristige Linderung, aber nicht Beseitigung der Beschwerden, kann durch vorübergehende kortisonhaltige Cremes erreicht werden.

Hämorrhoidalleiden

Mit etwa 50 Prozent sind am häufigsten vergrösserte Hämorrhoiden dafür verantwortlich, wenn es am After juckt oder blutet. Etwa 80 Prozent der über 30-jährigen Bevölkerung leidet einmal im Leben an «Hämorrhoiden». Hämorrhoiden haben wir alle und es handelt sich dabei um einen wichtigen Schwellkörper am inneren Bereich des Darmausganges. Sie dichten als Gefässpolster unseren Darm nach aussen hin ab und sind somit – ähnlich einem Dichtungsring – für unsere Feinkontinenz verantwortlich. Mit zunehmendem Alter, bei Bindegewebsschwäche, falschem Stuhlgangverhalten oder fehlerhafter Atmung bei körperlicher Anstrengung und Sport kann sich der Schwellkörper allerdings erweitern und nach unten-aussen sinken. Dies hat zur Folge, dass der Feinverschluss unseres Darmes nicht mehr richtig funktioniert und dadurch Flüssigkeiten oder Sekrete austreten können, was wiederum zu Hautirritationen am Darmausgang führen kann. Es entsteht ein kumulativ toxisches Ekzem auf den wiederkehrenden Kontakt mit den fäkalen Sekreten. Dies kann anfänglich vorübergehend sein und sich gegebenenfalls immer wieder normalisieren, bis es letztlich meist doch in einen chronischen Zustand mündet. Da die Gefässwände bei vergrösserten Hämorrhoiden ebenfalls dünner werden, können diese auch beim Stuhlgang einreissen, wodurch es zu Blutbeimengungen oder Blutungen kommen kann. Wenn die Hämorrhoiden Beschwerden machen, sprechen Mediziner von einem Hämorrhoidalleiden. Liegt ein solches vor, können die Hämorrhoiden bzw. Hämorrhoidalpolster ihrer Grösse nach in vier verschiedene Grade eingeteilt werden, welche die notwendige Behandlung wesentlich mitbeeinflussen.

Behandlungsablauf:

Die vergrösserten Hämorrhoidalpolster können in den ersten beiden Graden noch gut konservativ behandelt werden, während bei Hämorrhoiden 3. und 4. Grades meistens ein operativer Eingriff durchgeführt werden muss, um das Leiden zu lindern bzw. zu beenden. Die konservativen Behandlungen sind schmerzlos und innerhalb weniger Minuten durchführbar. Hierzu gehören die Sklerosierung (Verödung) mit einer eingespritzten Flüssigkeit sowie das Ligieren (Abbinden) mit einem Gummiring. In aller Regel können Patienten ihrem Alltag nach einer solchen Behandlung umgehend wieder nachgehen.

Differentialdiagnosen der Enddarmleiden:

Da Hämorrhoidalleiden bei weitem die häufigste Erkrankung des Enddarmes sind, werden die meisten anderen Veränderungen leider oft mit «Hä- morrhoiden» verwechselt bzw. alle Beschwerden im Volksmund unter «Hämorrhoiden» zusammengefasst und verharmlost. Dies kann allerdings weitreichende Folgen haben, da die zwar selteneren, aber dennoch relevanten anderen Diagnosen abgeklärt werden müssen, um ein infektiöses Geschehen wie Würmer oder sexuell übertragbare Erkrankungen und sogar Enddarmkrebs bzw. seine Vorstufen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Folgende Enddarm-Erkrankungen können auftreten und sollten von den «Hämorrhoiden» abgegrenzt werden:

• Analekzeme (andere Ursachen als Hämorrhoiden, z.B. allergisch oder im Rahmen einer Neurodermitis, wie weiter oben im Text beschrieben)

• Marisken (harmlose Hautfältchen am After im Alter, nach Erkrankungen im Analbereich oder nach Geburten auftretend)

• Analvenenthrombosen (gesundheitlich weitgehend harmlose, aber meist sehr schmerzhafte, plötzlich auftretende, manchmal blutende Knoten am Analrand)

• Analfissuren (sehr schmerzhafte Einrisse am Afterrand oder im Analkanal) • Abszesse und Analfisteln (akute und chronische infektiöse Geschehen)

• Feigwarzen und alle anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (Gonorrhö, Syphillis, Chlamydien, Mycoplasmen, Herpes genitalis, Trichomonaden)

• Vorstufen von Analkrebs sowie manifeste Analkarzinome

• Tief sitzende kolorektale Karzinome und Rektumkarzinome (Darmkrebs)

• Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)

• Entzündungen des Enddarmes nach Röntgenbestrahlungen der Prostata oder der Gebärmutter nach Krebserkrankungen im urogenitalen bzw. gynäkologischen Bereich